- Bakterien und Viren
- Desinfektion
- Entzündung
- Epithelisierung
- Gewebearten
- Gewebe: Haut
- Gewebe: Knorpel
- Gewebe: Muskel
- Gewebe: Schleimhaut
- Händedesinfektion
- Hautdesinfektion
- Heißluftsterilisation
- Hochdruckdampfsterilisation
- Infektion
- Kreuzkontamination
- Sportentest
- Sterilisation
- Zunge
Bakterien und Viren
Bakterien und Viren sind die größten Feinde jeder frischen Wunde und daher auch für jedes frische Piercing.
Bakterien und Viren unterscheiden sich in folgenden Punkten:
Bakterien haben einen Stoffwechsel, verfügen über Organe, haben eine Zellwand und können sich selbstständig vermehren.
Viren haben keinen Stoffwechsel, keine Organe, besitzen eine/ keine Kapsel ( anstelle der Zellwand ) und sind, um sich zu vermehren, auf die Wirtszelle angewiesen.
Folgende Viren sind fürs Piercen interessant:
- HIV
- Hepatitis A,B,C
- Tetanus
Weiters sind folgende Geschlechtskrankheiten (STD´s Sexual transmitted diseases )noch immer sehr häufig vertreten:
- Gonorrhoe ( Tripper )
- Lues ( Syphilis )
- Herpes genitalis
Desinfektion
Maßnahme, die durch Abtöten, Inaktivieren bzw. Entfernen von Mikroorganismen (Bakterien, Viren, Pilze, Protozoen) eine Reduzierung der Keimzahl um mindestens fünf Zehnerpotenzen erreicht, damit von dem desinfizierten Material keine Infektion mehr ausgehen kann. Eine Desinfektion ersetzt keine Sterilisation sondern stellt nur eine Vorstufe zur Sterilisation dar.
Entzündung
Eine Entzündung ist durch folgende Symptome charakterisiert:
- Rötung ( Rubor )
- Hitze ( Calor )
- Schmerz ( Dolor )
- Schwellung ( Tumor )
- Funktionsstörung ( Funktio laesa )
Epithelisierung
Eine offene Wunde wird geschlossen durch das Überwachsen mit sog. Epithelzellen (Verheilphase Neubildung der Haut). Durch die Zellteilung der an den Wundrändern liegenden Epithelzellen wird die Wunde von außen nach innen geschlossen. Piercingschmuck sollte erst nach vollständiger Epithelisierung (Ausheilung) ausgewechselt werden.
Zurück zur MedizinauswahlGewebearten
Beim Piercen werden verschiedene Arten von körpereigenem Gewebe verletzt, je nach Art dieses Gewebes ergeben sich unterschiedlich lange Abheilzeiten und eventuell auch Komplikationen. Piercingrelevante Gewebearten sind: Haut, Schleimhaut, Muskel und Knorpel.
Gewebe: Haut
Die Haut bildet gegenüber der Außenwelt einen hoch spezialisierten Schutzwall mit vielfältigen Aufgaben: · Schutz vor Kälte, Hitze und Strahlung. · Schutz gegenüber Druck, Stößen und Reibung. · Schutz bei chemischen Schädigungen. · Schutz vor dem Eindringen von Mikroorganismen. · Schutz vor dem Verlust von Wasser und Wärme. Die Haut hat einen pH-Wert von 5,7 und ist deshalb leicht sauer. Durch diesen Säureschutzmantel wirkt die Haut aktiv gegen das Eindringen fremder Keime. Die Haut hat die Möglichkeit, bestimmte Wirkstoffe zu resorbieren und sie unterstützt durch ihre Durchblutung die Regulation von Kreislauf und Körperwärme. Ganz wichtig ist auch die Funktion der Haut als das größte Sinnesorgan des Menschen. Über die Haut nehmen wir Vibration und Schmerz wahr. Wir können tasten und empfinden Druck- und Temperaturreize. Für alle diese Empfindungen gibt es Fühler, sogenannte Rezeptoren in unserer Haut. Zwischen den Rezeptoren für Wärme und Schmerz gibt es einen entscheidenden Unterschied. An Temperaturen kann man sich zunehmend gewöhnen, wenn das langsam geschieht. Bei Schmerzreizen ist das nur in sehr geringem Umfang möglich. Das ist auch ganz wichtig, damit der Schmerz seine Funktion als Warnzeichen behalten kann. Von außen nach innen gesehen besteht die Haut, die auch Cutis genannt wird, aus folgenden Schichten: · Oberhaut oder Epidermis, · Lederhaut oder Corium und · Unterhaut oder Subcutis. Begrenzt wird die Haut durch die allgemeine Körperfaszie, die aus sehr festen Fasern, den so genannten Kollagenfasern besteht. Die Haut wird bei fast allen Piercing beschädigt (Ausnahmen sind reine Schleimhautpiercings).
Gewebe: Knorpel
Knorpel gehört zu den geformten Bindegeweben und besitzt die besondere Eigenschaft der Druck- und Biegungselastizität wodurch Knorpelgewebe beim Nachlassen von Druck-, Zug- und Biegungskräften seine ursprüngliche Form wiedererlangt. Knorpelgewebe ist gefäß- und nervenfrei, die Ernährung erfolgt durch Diffusion von der Knorpeloberfläche her, d.h. er ernährt sich von dem ihn umgebenden Gewebe mit. Dadurch besitzt er eine sehr schlechte Wundheilung, da durch diese Diffusion nur wenig Nährstoffe in das verletzte Gewebe eindringen können. Der Piercer und Kunden haben bei folgenden Körperstellen mit Knorpelgewebe zu tun: Nase und Ohr.
Gewebe: Muskel
Muskelgewebe besteht aus langgestreckten Muskelzellen, ihre Hauptfunktion besteht darin, dass sich diese Muskelzellen verkürzen und Spannungen entwickeln können. Zusammen mit Muskelgewebe kommt immer Bindegewebe vor, welches am Aufbau der Muskeln beteiligt ist, die Muskeln gliedert, den Muskelzellen zur Befestigung dient und die Verkürzung des Muskelgewebes auf die Umgebung überträgt. Beim Piercen an folgenden Körperstellen wird Muskelgewebe verletzt: Zunge, Lippe, Cheek.
Zurück zur PiercingauswahlGewebe: Schleimhaut
Schleimhaut ist eine Haut, deren Oberfläche stets durch einen Schleimfilm feucht gehalten wird. Schleimhäute sind meistens sehr stark durchblutet, wodurch eine gute Wundheilung bei Verletzungen gegeben ist. Schleimhäute kommen in piercingspezifischer Hinsicht an folgenden Körperstellen vor: Nase, gesamter Oralbereich (Lippe, Zunge, Lippenbändchen), teilweise Genitalbereich.
Zurück zur PiercingauswahlHändedesinfektion
Eine Händedesinfektion ist vor jedem Eingriff durchzuführen. Die Händedesinfektion hat mit einem zugelassen Händedesinfektionsmittel auf Alkoholbasis unter Einhaltung der Einwirkzeit zu erfolgen. Händedesinfektionsmittel unterscheiden sich von Hautdesinfektionsmittel v.a. dadurch, dassdie rückfettende Zusätze besitzen um die Hautflora an den Händen nicht zu zerstören.
Zurück zur PiercingauswahlHautdesinfektion
Eine Hautdesinfektion vor Eingriffen ist auf jeden Fall durchzuführen. Zuerst muss die betroffene Hautstelle mit einem zugelassenen Hautdesinfektionsmittel auf Alkoholbasis entfettet werden, der zweite Schritt ist eine Hautdesinfektion am besten mit einem jodhaltigen Hautdesinfektionsmittel unter Einhaltung der Einwirkzeit und anschließend eine zweite Hautdesinfektion mit einem alkoholischen Hautdesinfektionsmittel unter Einhaltung der Einwirkzeit. Die Kombination von alkoholischen und jodhaltigen Desinfektionsmitteln deckt ein breites Keimspektrum ab. Auf jeden Fall ist auch immer eine Wischdesinfektion notwendig, d.h. nur benetzen der Körperstelle reicht nicht, es muss mit Tupfer gewischt werden um die abgestorbenen Keime von der Eingriffsfläche zu beseitigen (Wischdesinfektion immer von innen nach außen in kreisender Bewegung).
Heißluftsterilisation
Die Heißluftsterilisation tötet Keime nur durch Hitze, die lange Zeit auf die zu sterilisierenden Gegenstände einwirkt. Bei der Sterilisation ist darauf zu achten, dass das Sterilisiergut ungehindert von Heißluft umströmt wird. Die Sterilisationszeiten betragen bei unverpacktem Sterilisiergut 60 Minuten bei 180°C und bei verpacktem Sterilisiergut 75 Minuten bei 180°C.
Zurück zur PiercingauswahlHochdruckdampfsterilisation
Die Hochdruckdampfsterilisation stellt die beste Möglichkeit dar um Gegenstände schnell und zuverlässig zu sterilisieren. In diesem verfahren wird in einem Kessel Wasser unter einem bestimmten Druck verdampft und diese Kombination aus Hitze und Druck tötet zuverlässig alle Keime. Die Sterilisationszeiten betragen bei 121°C und 1 bar Überdruck 20 Minuten (diese Einstellung eignet sich für temperaturempfindliche Materialien) und bei 134° und 2 bar Überdruck beträgt die Sterilisationszeit 5 Minuten (diese Einstellung eignet sich für temperaturresistente Gegenstände z.B. Instrumente, Schmuck). Zu diesen Sterilisationszeiten muss noch die benötigte Zeit zum Aufheizen und Druckaufbau und die Zeit zum Abkühlen und Druckabfall dazugerechnet werden.
Infektion
Eine Infektion ist durch folgende Punkte definiert:
- Übertragung der Keime
- Eindringen der Keime
- Ansiedlung der Keime
- Vermehrung
- Reaktion des Wirtes
Die Eintrittspforten für Keime sind:
- Wunden
- Schleimhäute
- Haut
- Lunge
- Urogenitaltrakt
- Verdauungstrakt
- Auge
Eine Infektion läuft immer in bestimmten Phasen ab, die da wären:
- Kontakt mit dem Keim
- Inkubationszeit
- Überwindungsphase
Die Inkubationszeit ist die Zeit zwischen Keimkontakt und dem Auftreten von Krankheitssymptomen. Die Abwehrmechanismen des Körpers lassen sich in zwei Teile aufteilen und zwar:
- Spezifische Abwehr durch spezielle Abwehrzellen
- Unspezifische Abwehr durch bestimmte Stoffe im Blut, Schleim, Fettsäuremantel der Haut, Hautflora, Tränenflüssigkeit, niedriger pH-Wert im Magen und Scheide.
Die Virulenz eines bestimmten Keimes beschreibt das krankmachende Potential des Keims und beinhaltet folgende Faktoren:
1. Eindring- und Ansiedlungsmechanismen
2. Vermehrungsfähigkeit
3. Überlebensstrategien unter unwirtlichen Bedingungen
4. Die benötigte Keimzahl um eine Krankheit auszulösen
Jeder Körper besitzt eine Normalflora (physiologische Bewuchs der Haut, des Darmes und der Schleimhäute durch Mikroorganismen) welche folgende Aufgaben besitzt:
- Platzhalterfunktion ( Schutz vor Ansiedlung fremder Keime aus der Umwelt )
- Säuremantel
Kreuzkontamination
Unter Kreuzkontamination versteht man das Übertragen von Keimen indem man zuerst potentiell kontaminiertes Material oder Gegenstände angreift und anschließend nicht kontaminiertes Material oder Gegenstände angreift und dadurch diese nicht kontaminierte Materialien oder Gegenstände kontaminiert. Kreuzkontamination kann man durch Wechseln von Handschuhen nach jeden Arbeitsschritt vermeiden bzw. muss man die Handschuhe wechseln wenn man von kontamierten Material oder Gegenständen zu nicht kontaminierten Material wechselt. Bei Piercings bedeutet das, dass man die Handschuhe nach jedem Arbeitsschritt wechseln muss, z.B. ein Paar Handschuhe zum Aufbauen des Arbeitsplatzes - ein Paar Handschuhe zum Desinfizieren der betreffenden Hautpartie des Kunden - ein Paar Handschuhe zum Markieren des Piercings - ein Paar sterile Handschuhe zum Stechen des Piercings - ein Paar Handschuhe zur Nachversorgung des Piercings und ein Paar Handschuhe zum Abbau und zur Reinigung des Arbeitsplatzes. So lässt sich die Gefahr von Keimverschleppung vermeiden.
Sporentest
Autoklaven und Sterilisatoren müssen regelmäßig einem Sporentest unterzogen werden. Dabei wird anhand einer Kultur von besonders widerstandsfähigen Bakteriensporen getestet, ob das Gerät diese zuverlässig abtötet. Der Test wird in der Regel durch ein Hygieneinstitut oder das Gesundheitsamt durchgeführt und das Ergebnis bescheinigt. Eine solche Bescheinigung wird in der Regel im Piercing-Studio ausgehängt oder auf Nachfrage vorgezeigt. Vorgeschrieben ist dieser Test halbjährlich, gute Studios führen diesen aber monatlich oder zweimonatlich durch.
Zurück zur MedizinauswahlSterilisation
Maßnahme, die eine völlige Keimfreiheit bezweckt durch Abtöten oder Entfernen aller lebensfähigen Vegetativ- und Dauerformen von pathogenen und apathogenen Mikroorganismen in Stoffen, Zubereitungen oder an Gegenständen. Zulässige Sterilisationsmethoden im Tattoo- und Piercingstudio sind die Heißluftsterilisation und die Hochdruckdampfsterilisation. Für nähere Informationen zu den beiden Sterilisationsverfahren siehe die Einträge unter Heißluftsterilisation und Hochdruckdampfsterilisation.
Zurück zur MedizinZunge
Die Zunge ist ein länglicher, von Schleimhaut überzogener Muskelkörper und besteht aus mehreren Muskelbündeln bzw. –fasern. Diese Bündel sind in alle 3 Raumrichtungen angeordnet und sind jeweils für eine bestimmte Bewegung der Zunge zuständig und ermöglichen dadurch die große Beweglichkeit. Nur ca. ein Drittel der Zunge wir als solche wahrgenommen der gesamte Zungenkörper erstreckt sich über die Zungenwurzel bis zum Zungenbein, welches im oberen teil des Halses liegt. So erklärt es sich auch, dass es bei einer Schwellung der Zunge ebenfalls zu „Halsweh“ und Schluckbeschwerden kommen kann. Die Oberseite der Zunge ist etwas gewölbt, liegt ganz frei und zeigt hinten eine dreieckige Vertiefung, das blinde Loch, in dem sich mehrere Schleimdrüsen öffnen. Die untere Fläche ist mit ihrem mittleren Teil an den Boden der Mundhöhle angewachsen und vorn durch eine Falte der Mundschleimhaut, das Zungenbändchen, so angewachsen, dass nur die Spitze und die Seitenränder frei beweglich sind. Ist das Zungenbändchen zu weit nach vorn, so wird dadurch die Beweglichkeit eingeschränkt und ein Piercing ist in einem solchen Fall meist nicht möglich. Ein so hinderliches Zungenbändchen kann durch einen Schnitt (Zungenlösung) in einem kleinen Eingriff verkürzt werden. Das Zungenbändchen selber kann auch gepierced werden, genau wie das Lippenbändchen. Die Mittellinie der Zunge bildet eine Art senkrechter Scheidewand an der in der Regel ein Zungenpiercing vertikal durch die Zunge platziert wird. Die Zunge verlaufen zahlreiche Nerven und Blutgefäße, diese sollten beim Piercing möglichst unverletzt bleiben – ein Grund weshalb ein Zungenpiercing unbedingt von einem erfahrenen Piercer durchgeführt werden sollte. Auf der Oberseite der Zunge befinden sich verschiedene Sensoren, die so genannten Papillen. Diese teilen sich in die mechanischen Papillen für z.B. Tastempfindung und die Geschmackspapillen für die Unterscheidung verschiedener Geschmäcker. Diese Papillen wiederum sind mit den einzelnen Geschmacksnerven verbunden. Entgegen der früheren Ansicht die Geschmacksempfindung teile sich auf in bestimmte Regionen der Zunge (süß und salzig an der Zungenspitze, sauer an der Zungenseite und bitter an der Zungenbasis), weiß man heute, dass dem nicht so ist. Die verschiedenen Geschmacksrichtungen können mit allen sensorischen Bereichen der Zunge erkannt werden, lediglich Bittergeschmack hat eine Häufung am Zungenhintergrund und Sauergeschmack an den Zungenrändern. Entgegen dem weit verbreiteten Vorurteil man könne durch ein Zungenpiercing den Geschmack verlieren ist bis heute kein solcher Fall bekannt. Die dafür notwendigen Nervenschäden gehen auch über ein normales Piercing hinaus; derart schwerwiegende Folgeschäden treten wenn überhaupt nur durch das konsequente Ignorieren einer Entzündung oder anderer Probleme während der Heilung auf.
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